Neubau vor Gerhart-Hauptmann-Schule genehmigt!

Im Oktober 2017 wurde die Baugenehmigung für die Bebauung des Schulhofes der Gerhart-Hauptmann-Schule erteilt. Der Baubeginn soll im Frühjahr 2018 sein.
Damit würde eine jahrelange Auseinandersetzung um bauliche Qualitäten, soziale Freiräume und innerstädtische Ökologie umsonst gewesen sein. Denn das HOWOGE-Projekt des Architekten Helmut Jahn aus Chicago wählt für diesen Standort eine völlig absurde bauliche Anordnung. Für eine große U-Form fehlt es an Grundstückstiefe und es kommt zu Engstellen: Zur Schule und zur Sporthalle gibt es Anstandsflächenunterschreitung, auch der Innenhof ist zu schmal und wird eher Nutzungsprobleme bringen als ein guter Kommunikationsraum sein. Die Bibliothek liegt eingezwängt zur Sporthalle hin und klagt über Raumknappheit.
Ein weiterer Aspekt der Betrachtung ist dazugekommen. Die Senatsverwaltung hat für die Schulplatzprognose 2023 alarmierende Zahlen veröffentlicht. Stadtweit werden Schulstandorte gesucht und es dürfen eigentlich keine Schulgelände mehr zweckentfremdet werden. Der Neubau der HOWOGE besiegelt die Schulnutzung der Gerhart-Hauptmann-Schule, denn der notwendige Schulhof wird dann vollständig bebaut sein. Dazu gibt eine Eingabe der Arbeitsgruppe Ohlauer Straße, die dem Stadtplanungsausschuss übermittelt wurde:

    Prognose Schulnotstand: Keine Umwandlung von Schulen in Wohnnutzung – Gerhart-Hauptmann-Schule bleibt Schulstandort!

Vor dem Hintergrund des zunehmenden Familienwohnens in den Berliner Innenstadtbezirken und dem prognostizierten Schulplatzdefizit müssen Zweckentfremdungen von Schulgebäuden beendet werden. Die Liegenschaften müssen für spätere Verwendungen als Schulstandorte vorgehalten werden. Denn bis 2023 werden die Schülerzahlen in Berlin laut Senatsverwaltung (Februar 2016) um 25% (75.000) steigen. Es werden also rund 70-80 neue Schulen benötigt. Schon heute werden stadtweit Schulstandorte gesucht.

Aktuell steht das Gelände der Kreuzberger Gerhart-Hauptmann-Schule vor der Umnutzung. Durch die geplante Wohnbebauung des Schulhofes ist eine spätere Nutzung für Schulzwecke nicht mehr möglich. Auch wenn die Grundschulversorgung im östlichen Kreuzberg derzeit als gesichert gilt, ist abzusehen, dass für die Kieze Reichenberger Straße und Wrangelstraße und darüber hinaus in Zukunft wieder mehr Schulplätze benötigt werden. Die Versorgung mit Oberschulen ist ein generelles Problem, das zunehmen wird.

Die ehemalige Oberschule in der Ohlauer Straße liegt zentral in Kreuzberg und sollte mittelfristig die Defizite z.B. im Bereich der Oberschulversorgung und Sonderpädagogik aufnehmen. Bis dahin soll die Zwischennutzung als Flüchtlingszentrum fortgesetzt und qualifiziert werden. Ein Neubau muss genügend Freifläche für eine spätere Schulnutzung belassen. Das geplante Neubauprojekt der HOWOGE leistet dies nicht. Die Notwendigkeit der Vorhaltung des Schulgeländes für Schulzwecke wurde unseres Erachtens bislang nicht ausreichend erörtert.

Arbeitsgruppe Ohlauer Straße
Dipl.-Ing. Hendrik Weiner, r a u m d i a l o g – gebaute kommunikation
Dipl.-Ing. Carsten Joost, Die Planungsagentur – Büro für alternative Stadtentwicklung

Die folgende Abbildung zeigt die Planung der HOWOGE/des Bezirks, die eine spätere Schulnutzung ausschließt. Abbildung 2 und 3 sind Möglichkeiten der Zwischennutzung im Bestand bzw. Neubau, der einen Schulhof vorhält.

    - Frühere Veröffentlichungen

Der Offene Brief Ohlauer Straße hier

2016
Trotz Missbilligung durch die BVV: Die Amtsführung von Hans Panhoff wird immer intransparenter. Mit der Informationspolitik zu einem vom Bezirk initiierten Bauvorhaben auf dem Schulhof der Gerhart-Hauptmann-Schule fällt der Bezirk hinter alle Standards privater Investorenprojekte zurück.
Der Öffentlichkeit soll ein umfassendes Bild des Vorhabens erst gewährt werden, wenn der Bauantrag fertig ist. Solange gibt es ein paar Bildchen, die nicht zeigen, dass der gesamte Freibereich verbaut wird – mit einer äußerst ungeschickten Baukörperanordnung. Jedem privaten Investor wäre eine derartige Informationspolitik „um die Ohren gehauen“ worden.
Ich habe mir die Mühe gemacht, den Baukörper aus der Erinnerung des kurz gesehenen aufzuzeichnen und zu untersuchen. Dabei bin ich auf die Möglichkeit einer Planungsalternative gestoßen, die zwar weniger Baumasse bringt, den Baumbestand aber weitgehend schont und einen gemeinsamen Freibereich erhält. Mehr Infos: Meine „Studie GHS“ hier zum Download (2,8 MB).


Zum vollständigen Artikel:

Dabei teilt sich das Bauvorhaben in eine Erweiterung der Schule für Flüchtlinge und einen Anbau an das Nachbarhaus für die übrigen geplanten Nutzungen (Wohnungen u.a. für Studierende und Frauen). Das halte ich für äußerst sinnvoll. Dieser Ansatz wird auch von der Nachbarschaft unterstützt.
Die Piratenfraktion hat dazu einen Antrag in die BVV (Hier) eingebracht, die SPD einen Dringlichkeitsantrag zur Herstellung von Transparenz zum Bauvorhaben. Ob das alles wieder an der grünen Arroganz der Macht abprallt, wird sich zeigen. Ich habe jedoch nichts unversucht gelassen, die Empörung der Anwohnerschaft in eine konstruktive Planungsalternative einfließen zu lassen. Die nächste Befassung findet in den Ausschüssen Umwelt/Verkehr und Stadtplanung im April statt.


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