Bettenburg Pufendorfstraße – Bezirk verteidigt Fehlplanung

Mehrheitsparteien billigen die Planung der „Burg Pufendorf“

Das Bauvorhaben der B&L Real Estate GmbH, an der stark abschüssigen Pufendorfstraße ein riesiges Neubaugebiet in einer Ebene darüber „schweben“ zu lassen, führt zu einer absurden bis zu 9,5 Meter hohen Geländeaufschüttung. D.h., dass die Bewohner zukünftig eine zu 9,5 Meter-Treppe mit über 50 Stufen – mehr als drei Geschosse – hochklettern müssen, um zu ihren Wohnungseingängen zu gelangen. Städtebaulich entsteht ein riesiger Klotz einer Burg ähnlich, die Gebäude der „Friedrichshain Höfe“ ragen 35 Meter hoch über der Pufendorfstraße empor.


Darstellung der Initiative „Pufendorf Community“, November 2015

Im Planungsausschuss wurde dieser Sachverhalt lange nicht wahrgenommen, weil man hauptsächlich mit einer Abbildung informiert wurde, auf der dieser enorme Geländesprung nicht zu sehen war (der fehlende Schatten/keine Kante oder Treppe im roten Kreis unten).

Nachdem diese Höhendifferenz „rausgekommen“ ist, gab es viel Kritik aller Parteien – eine vernünftige Planung müsste sich selbstverständlich am Geländeverlauf orientieren. Eine Abstufung der Baukörper entlang der Pufendorfstraße wurde gefordert und engagierte Bürger aus der Nachbarschaft, die „Pufendorf Community“, brachten einen konkreten Vorschlag nach dem anderen.
Stadtrat Hans Panhoff blamierte sich mit der Äußerung, dass man das nicht anders machen könne, wie der Investor das aufgezeichnet hat. Dabei folgen in jedem Dorf und jeder Stadt die Häuser dem Geländeverlauf, es ist das normalste der Welt. Nur in Friedrichshain-Kreuzberg nicht?

Plötzlich war ein Ende der allgemeinen Kritik eingetreten, unser Antrag zur Abstufung wurde vertagt. Grund: Man wolle erst die Auswertung der Beteiligung der Öffentlichkeit abwarten. Als die dann im März 2016 da war, musste plötzlich alles ganz schnell gehen. Nach einer Vertagung wurde eine Sondersitzung des Planungsausschusses mit ausschließlich diesem Thema einberufen – Dauer: 15 Minuten. Hier konnte zwar noch einmal der Städtebau kritisiert werden und vorgebracht werden, dass die Einwände in der Abwägung mit glatten Falschbehauptungen abgetan wurden, dennoch wurde die Auswertung von der SPD und den Grünen abgesegnet.

Auszüge aus der Abwägung:
„Für das Plangebiet V-1-2 wurde wie für Berlin typische Blockrandbebauung mit einer Traufhöhe von 20-22 m über Gehweg, die auch in der Umgebung vorzufinden ist, aufgenommen…“
„Das Vorhaben bewegt sich somit im Rahmen dessen, was die vorhandene Bebauung in der Umgebung vorgibt und fügt sich in ihrer Maßstäblichkeit in das Ortsbild ein.“
„Das neue Wohnquartier wird nicht in sich geschlossen, sondern durch ein fußläufiges Erschließungsnetz mit seiner Umgebung vernetzt sein.“

Die Traufhöhe über der Pufendorfstraße beträgt unzweifelhaft über 30 Meter und das „fußläufige Erschließungsnetz“ ist keineswegs so, dass das Wohnquartier nicht in sich geschlossen wirkt – man muss es erst erklettern. Dieser Klotz fügt sich so auch nicht in das Ortsbild ein, auch das ist unzweifelhaft.
Selten wurden Einwände von Anwohnern, noch dazu sehr qualifizierte, so billig abgespeist.


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