Archiv für September 2016

Willkommen!

Von 2012 bis 2016 arbeitete ich im „Ausschuss für Stadtentwicklung, Soziale Stadt und Quartiersmanagement, Mieten“ im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg als parteiloser Bürgerdeputierter für die Piraten. Eine persönliche Auswahl von Themen, Prozessen und Ergebnissen ist hier aufgeführt. Ich werde aktiv bleiben und hier informieren. Planungsbetroffene und Initiativen können sich weiterhin mit Fragen und Anregungen gerne an mich wenden.
Kontakt: carsten-joost@gmx.de
Artikel: Wie sieht es aus im Ausschuss?
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Pseudoziale KIezverbauung – Rigaer Str. 71-73

Ähnlich wie bei ihrem anderen Projekt „Hymat“-Posthochhaus kann sich die CG-Gruppe über das üppige Baurecht in der Rigaer Str. 71-73 freuen. Für ihr Projekt „Carré Sama-Riga“ wurde sogar der Denkmalschutz für zwei bedeutende Altbauten aufgehoben, die Gebäude abgerissen. Sie dürfen das Grundstück mit einer Geschossflächenzahl von 3,44 bebauen. Das enspricht inetwa der Umgebungsdichte, die man durchaus als Misstand bezeichnen kann. Die angestrebten Mieten sind alles andere als sozial.

Den notwendigen sozialen Anstrich gibt sich der Entwickler mit dem Versprechen die Altmieter (Kultur/Bildung) in verbilligten Gewerbeflächen wieder aufzunehmen. 8,50 Euro /m² sind versprochen und der Investor tönt von Millionenverlusten, die dadurch enstünden. Das ist völlig übertrieben, weil der Mietpreis nur relativ wenig unter dem für Gewerbe in der Umgebung üblichen liegt. Jedenfalls nicht in dem Maße, das zu „Millionenverlusten“ führen würde.
Meine Interventionen im Ausschuss bewirkten, dass im Erdgeschoss zur Straße hin auch Ladeneinheiten statt Müll- und Technik/Wohnräumen entstehen (sollen). Die angemahnte Reduzierung der Bauhöhe oder wenigstens eine Abstaffelung der Häuser zum Hof hin fand bei den Grünen und SPD keine Unterstützung – und schon garnicht bei Stadtrat Hans Panhoff. Obwohl da Spielraum gewesen wäre und ein wichtiger Beitrag zur besseren Belichtung der Hofbereiche hätte entstehen können.
Im späteren Stellungnahmeverfahren fiel dann bei näherer Betrachtung auf, dass diese Baudichte nur mit vielen Tricks und Befreiungen umsetzbar ist. Die Baukörper sind derart reingequetscht, dass zum Teil fragwürdige Situationen entstehen. Ich habe dies und Lösungsvorschläge dazu in meiner „Stellungnahme Rigaer Str. 71-73″ in das Verfahren eingebracht.

Merke: Bei einer solchen Baudichte ist IMMER finanzieller Spielraum dafür vorhanden, die Baumasse nach unten zu korrigieren! Das Versprechen der CG-Gruppe im Ausschuss, dass ich Einsicht in die Kalkulation nehmen könnte, wurde nicht eingelöst.
Video vom Abriss der Baudenkmäler:

Bettenburg Pufendorfstraße – Bezirk verteidigt Fehlplanung

Mehrheitsparteien billigen die Planung der „Burg Pufendorf“

Das Bauvorhaben der B&L Real Estate GmbH, an der stark abschüssigen Pufendorfstraße ein riesiges Neubaugebiet in einer Ebene darüber „schweben“ zu lassen, führt zu einer absurden bis zu 9,5 Meter hohen Geländeaufschüttung. D.h., dass die Bewohner zukünftig eine zu 9,5 Meter-Treppe mit über 50 Stufen – mehr als drei Geschosse – hochklettern müssen, um zu ihren Wohnungseingängen zu gelangen. Städtebaulich entsteht ein riesiger Klotz einer Burg ähnlich, die Gebäude der „Friedrichshain Höfe“ ragen 35 Meter hoch über der Pufendorfstraße empor.


Darstellung der Initiative „Pufendorf Community“, November 2015

Im Planungsausschuss wurde dieser Sachverhalt lange nicht wahrgenommen, weil man hauptsächlich mit einer Abbildung informiert wurde, auf der dieser enorme Geländesprung nicht zu sehen war (der fehlende Schatten/keine Kante oder Treppe im roten Kreis unten).

Nachdem diese Höhendifferenz „rausgekommen“ ist, gab es viel Kritik aller Parteien – eine vernünftige Planung müsste sich selbstverständlich am Geländeverlauf orientieren. Eine Abstufung der Baukörper entlang der Pufendorfstraße wurde gefordert und engagierte Bürger aus der Nachbarschaft, die „Pufendorf Community“, brachten einen konkreten Vorschlag nach dem anderen.
Stadtrat Hans Panhoff blamierte sich mit der Äußerung, dass man das nicht anders machen könne, wie der Investor das aufgezeichnet hat. Dabei folgen in jedem Dorf und jeder Stadt die Häuser dem Geländeverlauf, es ist das normalste der Welt. Nur in Friedrichshain-Kreuzberg nicht?

Plötzlich war ein Ende der allgemeinen Kritik eingetreten, unser Antrag zur Abstufung wurde vertagt. Grund: Man wolle erst die Auswertung der Beteiligung der Öffentlichkeit abwarten. Als die dann im März 2016 da war, musste plötzlich alles ganz schnell gehen. Nach einer Vertagung wurde eine Sondersitzung des Planungsausschusses mit ausschließlich diesem Thema einberufen – Dauer: 15 Minuten. Hier konnte zwar noch einmal der Städtebau kritisiert werden und vorgebracht werden, dass die Einwände in der Abwägung mit glatten Falschbehauptungen abgetan wurden, dennoch wurde die Auswertung von der SPD und den Grünen abgesegnet.

Auszüge aus der Abwägung:
„Für das Plangebiet V-1-2 wurde wie für Berlin typische Blockrandbebauung mit einer Traufhöhe von 20-22 m über Gehweg, die auch in der Umgebung vorzufinden ist, aufgenommen…“
„Das Vorhaben bewegt sich somit im Rahmen dessen, was die vorhandene Bebauung in der Umgebung vorgibt und fügt sich in ihrer Maßstäblichkeit in das Ortsbild ein.“
„Das neue Wohnquartier wird nicht in sich geschlossen, sondern durch ein fußläufiges Erschließungsnetz mit seiner Umgebung vernetzt sein.“

Die Traufhöhe über der Pufendorfstraße beträgt unzweifelhaft über 30 Meter und das „fußläufige Erschließungsnetz“ ist keineswegs so, dass das Wohnquartier nicht in sich geschlossen wirkt – man muss es erst erklettern. Dieser Klotz fügt sich so auch nicht in das Ortsbild ein, auch das ist unzweifelhaft.
Selten wurden Einwände von Anwohnern, noch dazu sehr qualifizierte, so billig abgespeist.

Klotzen im grünen Bezirk: Postscheckareal Hallesches Ufer

Die CG-Gruppe freut sich: War die Zielvorstellung für das Areal rund um das Posthochhaus am Halleschen Ufer im Planungsausschuss erst bei 80-90.000 m² Bruttogeschossfläche (BGF) gewesen, rundete Stadtrat Hans Panhoff dies für den Wettbewerb auf 100.000 m² BGF auf. Heraus kamen nun fast 110.000 m² BGF. Nun ist das Grundstück bis zum Anschlag vollgestellt, so dass der Pausenhof der Grundschulerweiterung an der nordwestlichen Ecke nur noch unter das aufgeständerte Schulgebäude passt. Ein Schildbürgerstreich gegen den Willen des Bezirks? Mitnichten. Der Entwickler wäre nach Gesprächen mit uns bereit gewesen, mit einer leichten Modifikation ausreichend Freifläche für die Schule zu schaffen. Ein Antrag dazu wurde jedoch von den Grünen abgelehnt und für den Stadtrat war die dunkle Höhle als Schulhof kein Problem – eher sogar was gutes, denn witterungsgeschützt. Sehr witzig! Vor soviel Unterstützung maximaler Baumasse konnte dann auch der Entwickler nicht anders, als alles so zu lassen. Unser Antrag HIER

Auch eine Kita soll es im Häusermeer geben – im Hof des Blockes hinter dem Hochhaus (auf dem Bild links des Hochhauses im Schatten). Eine Verbesserung der Lage der Kita sowie eine Beschränkung der Bauhöhe von acht auf sechs Geschosse wurde ebenfalls abgelehnt. Es entsteht wieder einmal eine Investitionswüste riesiger Baumassen, die alles um sich herum „in den Schatten stellt“.
Immerhin wurde erreicht, dass die degewo zwei Blocks ankaufen kann – offenbar zu einem Selbstkostenpreis des Investors. Hier können einige preiswerte Wohnungen entstehen. Um das zu erreichen hat man sich bei der städtebaulichen Frage m.E. viel zu stark zurückgehalten.