Nachverdichtungsabsichten der WBM in Friedrichshain

Stand der Dinge Juni 2016


Es hätte etwas befreiendes sein sollen – die Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens, so wie es der Einwohnerantrag des Aktionsbündnisses Lebenswertes Wohnen in Friedrichshain-West forderte. Nun ist es soweit und plötzlich tut sich eine Sackgasse auf: Vorschläge für eine bessere Nutzung der Baupotentiale als einfach 20 neue Punkthochhäuser einzustellen gelten nunmehr als „Vorgriff auf das Ergebnis des Bebauungsplanverfahrens“.

Dazu kommt, das die WBM im Planungsausschuss angekündigt hat, noch im Juni zwei Bauanträge einzureichen – zwei 10-geschossige Punkthochhäuser im Hof der Krautstraße 5a und 9a, sozusagen als Reaktion auf die Einleitung des B-Planverfahrens.
Unser Spontanantrag, dass wenn gebaut wird, dann nicht höher als die Umgebungsbebauung, also kein Hochhaus, fand als angeblicher Vorgriff keine Unterstützung. Wir zogen ihn zurück. Auch ein Antrag der SPD, der erst einmal den Bau von 5-6 Punkthochhäusern zulassen wollte um dann einen Wettbewerb zu starten, fand keine Mehrheit. Übrig bleibt die Gewissheit, dass es nun losgeht mit dem Bauen – ohne ein Konzept, mit dem die BVV und die breite Öffentlichkeit einverstanden sind.

Offenbar gibt es in der Senatsverwaltung gewichtige Stimmen für eine plumpe Fortschreibung des vorhandenen Städtebaus. Problem: Auch das Bezirksamt und das Stadtplanungsamt unterstützen die Planungen. Dementsprechend sind die Planungsziele des anstehenden B-Planverfahrens maßgeschneidert auf die Punkthochhauskolonne. Alles liest sich nett und sagt trotzdem nicht viel. Auf was die Sicherung der Eigenart des Wohngebietes und die Entsprechung der Neubauten der städtebaulichen Struktur der 60er/70er Jahre hinauslaufen könnte, ist unschwer abzusehen: Ein Bebauungsplan, der zwar auf keinen Fall etwas verhindert, aber dennoch so aussieht, als bemühe man sich.


Foto der Präsentation der Planungsziele im Planungsausschuss

Städtebauliche Alternativen? Stadtrat Panhoff hat meine Vorschläge beim 4. Runden Tisch abgetan, sie hätten keinen Bezug zur vorhandenen DDR-Architektur hergestellt und wären für die Standorte nicht anwendbar. Dabei sind gerade meine Vorschläge exakt auf den Ort entwickelt und kein Massenprodukt „von der Stange“. Sie finden auch eine gewisse Unterstützung in der Anwohnerschaft nach dem Motto, wenn gebaut würde, dann lieber in dieser Art…
Eine Anwohnerin hat es so formuliert: „Alles, was kein Punkthochhaus ist, ist besser! Monotonie bietet die vorhandene Kulisse genug, bei aller Durchgrünung. Insofern würde ich persönlich ein paar Tupfer Abwechslung im Areal bevorzugen.“

Ein Ausweg aus der Sackgasse erscheint schwer. Das Bebauungsplanverfahren blockiert anstatt kreative Prozesse freizusetzen. Wer hätte das gedacht? Wir werden mit neuen Anträgen die Diskussion weiter beflügeln.

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Stand Ende 2015

Nach der großen Welle der Verwunderung über eine derart unsensible Masterplanung – einen ganzen Stadtteil mit gleichen Hochhausblocks zu überziehen – gab es von der Senatsverwaltung den Vorschlag, einen internationalen Wettbewerb für Friedrichshain-West durchzuführen. Das hätte das Format gehabt, das der Größenordnung der Entwicklung angemessen wäre.
Nun ist man wieder zurückgerudert und will weder Wettbewerb noch Bauleitplaung. Wie ursprünglich von Stadtrat Hans Panhoff beabsichtigt, sollen gleichförmige Punkthäuser entstehen – per Bauvorbescheid/Bauantrag ohne Bauleitplanung nach §34 BauGB. Lediglich eine intensive Bürgerinformation soll stattfinden.
Als Resultat der Debatte hat man ein paar der Punkthäuser aus dem Masterplan genommen (jetzt sind es noch 20 Stück, ca. 736 Wohneinheiten) und andere ein wenig verrückt. Das Ganze vermittelt dennoch den Eindruck einer wenig qualifizierten Planung. Ein Antrag der Piraten, diesen Prozess zu stoppen und erst einen Wettbewerb durchzuführen, wurde von den Mehrheitsparteien leider abgelehnt.
Der neuste Plan (07.09.2015) hier:

Es soll gleich losgehen – Krautstraße
Damit die WBM ihre Neubauquoten erfüllen kann, sollen in der Krautstr. 5A und 9A bald zwei Punkthäuser entstehen. Der Bezirk ist einverstanden und ein positiver Bauvorbescheid liegt bereits vor. Es lohnt sich also, hier zuerst genauer hinzuschauen.
Dabei fällt auf, dass die beiden Häuser bisher in der Bauflucht der Bestandsriegel angeordnet sind und dadurch sehr viel Platz im Freibereich beanspruchen. Das wird von den BewohnerInnen bemängelt. Eine Alternative wäre, bauliche Ergänzungen straßenbegleitend anzuordnen, so wie die Gebäude in der Krautstraße gegenüber. Meine alternativen Planungsansätze habe ich auch meiner Webseite „planungsagentur.de“ veröffentlicht HIER

Zum vollständigen Artikel:
Planungsphilosophie
Aus der Studie „MASTERPLAN friedrichshain“ von: ARCHITEKTURBÜRO MEYER GROSSE HEBESTREIT SOMMERER
„Versuche, durch Giebelanbauten oder durch Schließen der weitgehend offenen Raumstrukturen Potenziale zu erschließen, haben sich durch die gebaute Realität der letzten 20 Jahre diskreditiert. Auch der Versuch, jeden Standort als Einzelphänomen zu betrachten und gesondert zu komponieren, ist nicht der Ansatz, die städtebauliche Ordnung zu stärken. In der dieses Gebiet weitgehend bestimmenden Struktur der Objektstadt ist sicher die Implantation möglichst weniger Typen – besser nur eines Typus – die denkbare Strategie.“
Dies ist eine radikale Einzelmeinung der Planer und keine unumstößliche Planungsphilosophie. Viele Giebelanbauten kann man als sehr gelungen ansehen und es ist in der Architektur m.E. immer streng geboten, „jeden Standort als Einzelphänomen zu betrachten und gesondert zu komponieren“ – alles andere verstieße gegen den Auftrag, verantwortungs- und kunstvoll mit der Planungsaufgabe umzugehen. Das alles zu ignorieren ist zwar radikal, aber nicht zielführend.
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Stand: November 2014
Im Ausschuss wurde am 19.11.2014 das Nachverdichtungskonzept der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) für ihre Grundstücke in Friedrichshain vorgestellt. Das war eine Überraschung: Anstatt individuelle Lösungen für den jeweiligen Bereich zu entwickeln, hat man sich auf einen neuen Blocktyp festgelegt: 18/18 Meter, 10 Stockwerke hoch.
Auf meinen Einwand, das passe sicherlich nicht überall optimal und ob man bei der Gelegenheit nicht mit einer niedrigeren Bauweise hier und da den geschätzten Maßstab der übrigen Quartiere herstellen sollte, wurde ich heftig angefahren. Als wäre ich ein Stimmann-Ideologe, der die dichte steinerne Stadt wieder haben möchte. Das einzig richtige wäre die serielle Bauform, überall ähnliche Punkthäuser dazwischenzusetzen, weil das ja gut in den seriell angeordneten Stadtbereich passe. Dabei weist der Stadtbereich sehr unterschiedliche zeitgeistige Strukturen auf und ist nicht homogen.

Bild des Architekten – die Ansicht

Der vorgestellte „Grundriss Regelgeschoss“ (unten) verdeutlicht den gravierenden Nachteil der Wahl eines Hochhauses: Trotz relativ kleiner Grundfläche benötigt man ein zweites Treppenhaus (Hochhausrichtlinie). Es wird viel Fläche verschenkt. Würde man nur zwei Geschosse weniger planen, dann würde der normale Brandschutz gelten und man käme mit einem Treppenhaus aus. Im Hochhaus würde zwar auch ein einzelnes Sicherheitstreppenhaus möglich sein, jedoch mit strengen Auflagen und aufwändigem Brandschutz.

Alles nach §34 BauGB!
Die Krönung der Diskussion war, dass diese Hochhausergänzungen vom Bezirksamt ohne Bauleitplanungen möglich gemacht werden sollen. Es wäre in Friedrichshain ja gewohnte Praxis auf Bauvoranfragen zu warten, um dann die Genehmigungsfähigkeit zu prüfen. Man hätte definitiv kein Planungsinteresse für eine normale Bauleitplanung in diesem Bereich Friedrichshains. Es soll 37 Stück von diesen Punkthäusern entstehen. Der Bezirkstadtrat Hans Panhoff findet das alles sehr gut so.

Typenhochhaus auf Kosten der Qualität
Das das auf Kosten der Qualität gehen kann, zeigt ein Beispiel: Singer-Ecke Koppenstraße soll ein Punkthochhaus eingesetzt werden. Aber nicht die Ecke mit den beiden Brandwänden soll geschlossen, sondern der Baukörper davor gesetzt werden. Die Brandwände bleiben für immer sichtbar.

Der Planausschnitt:

Das Luftbild dazu:

Interessante Beispiele
Ich berichtete von Beispielen aus Marzahn-Hellersdorf, wo man niedrigere Häuser ergänzt hat und auch Brandwandecken geschlossen hat. Hier zwei Beispielbilder:

Eckbebauung an Brandwand

Niedrigere bauliche Ergänzungen

Es lohnt sich, hier aktiv zu werden und sich für mehr Qualität einzusetzen. Ohne Bauleitplanung wird es dazu aber nicht viele Beteiligungsmöglichkeiten geben. Ich werde mich für individelle Lösungen einsetzen.


1 Antwort auf „Nachverdichtungsabsichten der WBM in Friedrichshain“


  1. 1 Waltraud Dünsch 14. Juli 2015 um 15:59 Uhr

    Ich bin Anwohner Barnimstr. und bin entsetzt über die Absichten der WBM. Wir haben unsere Wohnungen für viel Geld von der WBM gekauft.Jetzt soll der grüne Wohnhof voll zugebaut werden, unsere Wohnqualität sinkt dermaßen und der Wert unserer Wohnungen verliert enorm. Mit Sicherheit werden wir das nicht hinnehmen. Ich bin jetzt 8o Jahre und habe dann nicht mehr die Möglichkeit ein bißchen grün zu sehen. Eine Stadt ohne das Grün der Bäume ist nicht liebenswert.

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