SEZ als Multifunktionsbad! Veränderungssperre beschlossen

26.11.2015: Nun ist dem Bezirk die Planungshoheit entzogen worden und der Senat plant den Abriss. (Berliner Zeitung)

21.11.2015:
In Berlin sollen wieder Erlebnisbäder entstehen. Nur leider nicht dort, wo bereits eines ist, bzw. dahinschlummert: das SEZ. Der außergewöhnliche DDR-Bau, für dessen Erhalt einst hunderttausende Unterschriften gesammelt wurden, ist bedroht.

Es ist mal wieder eine typische Berliner Geschichte:
Da überlässt der Senat einem findigen Investor eine Gebäudeperle für einen Euro, es wird viel versprochen und vertraglich wenig gesichert. Der „grüne“ Bezirk ist sauer darüber, freut sich aber heimlich, diese Altsünde dauerhaft gegen den Senat auszuschachten. Um dies zu untermauern verweigerte der Bezirk dem „Ein-Euro-Eigentümer“ Rainer Löhnitz jegliche noch so kleinen Entwicklungsabsicht, z.B. ein Hostel, Campingplatz, therapeutisches Reiten… Irgendwann verlor dieser die Geduld und stellte beleidigt den Antrag, den eigentlich geliebten Gebäudekomplex abzureißen. Die Situation eskaliert und er zeigt alles und jeden an, um dann vor Gericht zu unterliegen. Das SEZ wurde vom Bezirk kaputtblockiert, nun übernimmt der Senat die hässliche Aufgabe, das Gebäude abreißen zu lassen und der Bezirk kann wieder auf den Senat schimpfen.


Zum vollständigen Artikel:

Es wäre schade, wenn das denkmalwürdige Gebäude diesem Kleinkrieg zum Opfer fiele. Wenig Unterstützung zum Erhalt ist leider von Stadtrat Hans Panhoff zu erwarten – er hat von Anfang an klar gemacht, dass das Gebäude seiner Meinung nach unwirtschaftlich wäre. Den BVV-Auftrag, sich dennoch gegenüber der Senatsverwaltung für den Erhalt als Multifunktionsbad einzusetzen, sieht er in einem einzigen Gespräch erfüllt – der zuständige Staatssekretär erklärte, das SEZ sei nicht im „Bäderkonzept 2025“ enthalten. Damit sei für Hans Panhoff die Badenutzung „erledigt“. Nun spricht er sich für den „sicheren“ Weg aus, nämlich ein Mischgebiet auszuweisen und damit Abriss und Blockrandbebauung zu ermöglichen. Schadensersatz kann man zu 100% nur ausschließen, wenn man den Entwicklern nahezu alles genehmigt – so macht es der grüne Bezirk ja ohne Mut zum Risiko fast ständig. Wie das in diesem Fall dann aussehen könnte, hat der Eigentümer einmal unter großem Gelächter im Stadtplanungsausschuss vorgestellt (Bild unten).

Der Planungsausschuss hat trotz der schwachen Haltung des Stadtrates Panhoff die Mischgebietsausweisung abgelehnt und den Erlass einer Veränderungssperre beschlossen. Diese bremst für zwei bis drei Jahre alle Pläne des Eigentümers aus und erfordert eine Bauleitplanung des Bezirks. Mit dem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan 2-43 hat diese bereits begonnen. Hinderlich ist die momentan ablehnende Haltung des Senats gegenüber einer Badnutzung. Da muss noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.
Perspektive
Im Bebauungsplanverfahren wird das Gebäude als Multifunktionsbad festgeschrieben, die Senatsverwaltung zu einem Engagement überzeugt und ein Übernahmeangebot durch das Land Berlin entwickelt, mit dem alle zufrieden sind. Vielleicht bleibt Herr Löhnitz dabei Betreiber eines Teilbetriebes? Alles ist möglich.

Die Freibadergänzung
Wichtig ist jedoch, dass die Sommernutzung für einen wirtschaftlichen Betrieb verstärkt wird und ein Ausbau des Außenbeckens zum Freibad stattfindet. So sehen es auch andere geplante Multifunktionsbäder vor.
Unser Antrag „Freibadergänzung SEZ“ wurde am 04.12.2013 zwar von allen Parteien abgelehnt, das bedeutet jedoch nicht, dass dieser sinnvolle Weg für immer begraben ist. Eine Beispielanordnung für Ergänzungsbecken habe ich erstellt, indem ich zwei der Schwimmbecken des Kreuzberger Prinzenbads als Fotomontage in das Freigelände des SEZ eingefügt habe (Bild).

Rahmenbedingungen
Die benachbarte Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) ist ein funktionales Sportzentrum und wenig familiengerecht – es gibt nicht einmal eine Sauna. Das SEZ mit Freibad wäre eine sinnvolle Ergänzung im dichtbesiedelten Prenzlauer Berg und Friedrichshain. Das nächste Freibad (Strandbad Weissensee) ist rund 3,5 km entfernt, das Prinzenbad 4,2 km. Mit frei nutzbaren Hallenbädern sieht es nicht gut aus, Familienbäder sind Fehlanzeige. Diese Situation kann man selbst für Berliner Verhältnisse nicht als „versorgt“ bezeichnen.