Baugenehmigung für den „Panhoff-Klotz“ erteilt!

Das ganze Drama um das Hochhaus auf dem Ex-YAAM-Strand führt nun zu einem Missbilligungsantrag gegen die Amtsführung des Stadtrates Hans Panhoff:
Der Missbilligungsantrag der Piratenfraktion HIER.
Der Antrag ist in der BVV am 24.02.2016 in geheimer Abstimmung mehrheitlich beschlossen worden.

Auf dem schönen YAAM-Strand entsteht tatsächlich der 12-geschossige Bauklotz am Wasser, den Stadtrat Hans Panhoff so sehr gegen Kritik verteidigte und an der BVV vorbei genehmigte. Panhoff hat dem Stadtplanungsausschuss erst am 16.09.2015 mitgeteilt, dass für das Gelände bereits seit 18.03. eine Bauvoranfrage vorgelegen habe, die am 10.06. positiv beschieden wurde. Die BVV hatte deshalb keinen Einfluss auf die Baupläne nehmen können und wurde vor vollendete Tatsachen gestellt. Es gab zwei BVV-Beschlüsse für Planungsänderungen, die dann natürlich durch das heimlich erteilte Baurecht zu spät kamen.

Baubeginn Februar 2016

Dabei hätte es einen alternativen Investor gegeben, der sich bereits seit einigen Jahren vergeblich um den Grundstückskauf bewarb – für eine behindertenorientierte Wohnbebauung. Der Investor ist in diesem Bereich engagiert, weil er selbst auf den Rollstuhl angewiesen ist. Er hätte den vollen Kaufpreis entrichtet, wäre aber mit einer Baumasse von nur 24.000 m² zufrieden gewesen – mehr als ein Drittel weniger als nun genehmigt. Damit hätte man wunderbare Uferfreibereiche herstellen können, die dem Bürgerentscheid sehr nahe gekommen wären. Eine Info dazu und eine Beispielanordung im Vergleich habe ich bereits im Mai 2015 dem Ausschuss zukommen lassen. (Ausschuss-Info 29.05.2015 HIER)

Zum vollständigen Artikel:
Warum das Bezirksamt diesen engagierten Investor seit langem aus dem Verfahren heraushält, erscheint absurd. Noch bin Ende Juni 2015 hätte die unsägliche „JUVI 3 Immobilien GmbH“, die nun wirklich nur schnelle Rendite anpeilt, vom Verkauf zurücktreten können. Ein entschossenes Auftreten des Bezirks hätte genügt. Nun versucht Hans Panhoff mit spätem Aktionismus zu verhindern, dass in jedem der 229 Billig-Hotelzimmer wie geplant vier Betten stehen und sie auf zwei zu begrenzen – es ist immerhin ein Unterschied, ob 500 statt 1000 Billigtouristen neu in den Kiez strömen. An der Tragweite der Fehlentscheidung ändert das jedoch nicht viel.

    Stand September 2015, vor dem Bekanntwerden des heimlichen Bauvorbescheids

Der Investor Hilpert hat einfach einmal Bauantrag für den Hochhausblock gestellt. Auch so kann man auf die öffentliche Diskussion reagieren, wenn sie einem egal ist und nur stört. Nun wird sich zeigen, ob Stadtrat Hans Panhoff dem Auftrag der BVV nachkommt, ein Bebauungsplanverfahren zu eröffnen und den Bauantrag vor diesem Hintergrund zurückzustellen. Mittlerweile gibt es zwei BVV-Beschlüsse dazu.

    Stand nach der Befassung am 3.6.2015 im Stadtplanungsausschuss:

Das Projekt scheint erst einmal gestoppt. Unser Piraten-Antrag auf Ablehnung der Planung, behutsamere Entwicklung des Grundstücks mit weniger Baumasse, ohne Hochhausbebauung und einer Baukörperanordnung, die einen „sanften“ Übergang vom Park an der Spree zum Energieforum bildet, wurde zu unserer Überraschung ohne Gegenstimmen angenommen. Der Antrag HIER.
Stadtrat Hans Panhoff hat sich in der Debatte mit seinen Beschwörungen für hohe Baudichten und der Befürwortung des Hochhausmonstrums am Spreeufer völlig ins Abseits gestellt. Seine Ausführungen waren derart bezeichnend, dass die Piratenfraktion ein Wortprotokoll beantragt hat (im Protokoll nachzulesen HIER). Wer nicht dabei war, glaubt es sonst nicht, dass ein „grüner“ Stadtrat zu derart investorenfreundlichen Positionen fähig ist. Es stellt sich wieder einmal ernsthaft die Frage, ob das wichtige Amt des Stadtrates für Stadtentwicklung dem Wählerwillen gemäß besetzt ist.

    Das Projekt, so wie es schnell durchgewunken werden
    sollte

Ein Wettbewerb für das Grundstück Stralauer Platz 35 (ehem. YAAM) des Grundstückkäufers „JUVI 3 Immobilien GmbH“ aus Würzburg hat im März 2015 einen Entwurf zur Realisierung hervorgebracht. Aus den Entwürfen sieben teilnehmender Architekturbüros hat sich das Büro Winking Froh Architekten mit einem 12-geschossigen Hochhausblock direkt am Spreeufer durchgesetzt.

Der legendäre Bürgerentscheid „Spreeufer für alle!“, der Bebauung im 50-Meter-Abstand und Hochhäuser am Spreeufer untersagt, war in der Wettbewerbsauslobung nicht einmal erwähnt. Die Mediaspree-Vorgängerplanung war dagegen mit sieben Geschossen fast niedlich.

Der Bauklotz wurde „im Einvernehmen mit den Bezirk“ von der ursprünglich „konsequent achtgeschossigen ersten Lösung“ auf 12 Geschosse erhöht, so steht es im Erläuterungsbericht. Damit wurde aus einem Gebäude mit „Berliner Traufhöhe“ ein Hochhaus, obwohl der Bürgerentscheid „Spreeufer für alle!“ das ausschließt. Der Investor wäre offenbar mit acht Geschossen zufrieden gewesen.
Dieser große 12-geschossige Klotz stellt ein Wohngebäude mit 168 Wohnungen dar. Der winkelförmige zweite Baukörper soll ein Hotel mit 229 Zimmern und 42 Appartements sowie 139 Wohnungen aufnehmen. Insgesamt kann man also von rund 350 Wohnungen ausgehen.

Viel zu große Dichte für Wohnnutzung
Insgesamt ist eine Baumasse von 38.500 m² auf dem 8.900 m² großen Grundstück dargestellt. Das entspricht einer Geschossflächenzahl GFZ von 4,3. Für eine Baumasse von 31.000m² gibt es einen positiven Bauvorbescheid, allerdings als Kerngebiet für Gewerbenutzung. Es wäre eine allzu großzügige Ausnahmegenehmigung, wenn der Eigentümer diese Baumasse in (zu ca. 75% überwiegend) Wohnnutzung umwidmen könnte. Die Baunutzungsverordnung untersagt Wohnen in derart dichten Gefügen (Kerngebieten).



Ganz großer Wurf

Aus der Beurteilung der Preisrichter (u.a. Hans Panhoff, Stadtrat): „Der Entwurf zeichnet sich durch eine klare städtebauliche Setzung aus zwei Großformen aus. (…) Die Fassaden sind einheitlich gestaltet und ruhig gegliedert.“ Das trifft unzweifelhaft zu – langweiliger kann man Kubatur zur gewünschten Baumasse kaum aufstapeln.

Denkmalschutz schiebt die Baumasse ans Ufer
Der Grund, warum der Bauklotz nun direkt am Ufer steht und nicht vom Stralauer Platz her als Kamm organisiert ist, liegt in der neuen Denkmalschutzinitiative der Senatsverwaltung. Diese hat eine „Hinterlandmauer“ ausgemacht, also den Winkel Industriemauer, der auf dem Grundstück übrig geblieben ist und hat diesen Steinhaufen unter Denkmalschutz gestellt.

Dieser Unsinn hat mit Mauergedenken rein gar nichts zu tun, führt aber dazu, dass die Baumasse an das Ufer wandert, weil nun der mittlere Grundstücksteil frei gehalten werden muss. Das dies mit voller Absicht geschieht bestätigte kürzlich ein Vertreter der Senatsverwaltung: Man wolle möglichst viel Baumasse nah am Ufer anordnen. Nix gerafft vom Bürgerwillen und dem Freihalten der Flussufer, das in jeder anderen Stadt außer Berlin wichtig ist, absolut gar nichts!

Berlin schafft sich ab
Mit der Bebauung des ehemaligen YAAM-Strandes geht wieder ein einzigartiger Grün- und Kulturraum in Berlin verloren. Das Spreeufer wird um eine wesentliche Attraktion ärmer. Es könnte ein Folgeprojekt nach dem Umzug des YAAM entstehen, auch ein Kompromiss mit einer geringeren Baumasse kann ein Lösung sein. Immerhin hat ein anderer Investor mit nur 24.000 m² beabsichtigter Baumasse mitgeboten. Dieser wäre immernoch bereit, das Grundstück zu kaufen.

Der Bezirk ist aufgefordert, die Planungen zu stoppen – denn die überwiegende Wohnnutzung widerspricht der baurechtlichen Grundlage, die sich auf Büronutzung beschränkt. Zudem übersteigt die Kubatur den Wert des Bauvorbescheids bei weitem! Der Bürgerentscheid wird ignoriert. Dieses Projekt muss man so nicht genehmigen!

Anmerkung: Immer wieder wird behauptet, der Bürgerentscheid wollte ja nur den Uferweg, der ja jetzt komme. (Tagesspiegel HIER) Hier wird Legendenbildung betrieben, denn der „Uferwanderweg“ mit zehn Metern Breite war ja schon Bestandtteil von Mediaspree. Der Bürgerentscheid forderte eine verbesserte Qualität der Ufergestaltung durch mehr Freiraum (50 Meter Uferabstand für Neubauten).