Das Mercedes-Benz-Spreeufer – einfach nur irre…

    Geplantes Verkehrschaos durch das Anschutz-Areal

Die Bauwut rund um die „Mercedes-Benz-Arena“ führt zu einem enormen Anstieg des Verkehrsaufkommens. Die Frage ist, ob der Stadtbereich an der Oberbaumbrücke die zusätzlichen Stoßverkehre verkraften kann? Neben der bundesweit zweitgrößten Arena sollen weitere rund 6.500 neue Eventplätze und zahllose andere publikumswirksame Nutzungen sowie ein Shoppingcenter mit 750 Parkplätzen hinzukommen. Der Verkehr bricht aber bereits jetzt infolge der Arena-Veranstaltungen regelmäßig zusammen und er staut sich in alle Richtungen.

Alles im grünen Bereich
Nach monatelanger Wartezeit und pünktlich zum Baubeginn des Entertainmentcenters ist am 11. Mai 2016 endlich das Verkehrsgutachten dazu vorgestellt worden.
Das Gutachterbüro LK Argus, das im Auftrag der Anschutz-Gruppe arbeitet, sieht die Problematik nicht gravierend, es wäre alles im grünen Bereich. Grün in verschiedenen Abstufungen waren auch alle Pfeile, die der Mühlenstraße noch ausreichend Kapazitäten ausweisen. Die eigentlichen Problembereiche, die Knotenpunkte und allen voran die Kreuzung an der Oberbaumbrücke, wurden jedoch nicht präsentiert. Angeblich nehme der Autoverkehr ja ab und es wäre genug Platz für die zusätzlichen 18.000 Fahrten täglich – und das ohne den Arena-Betrieb gerechnet, der allein jetzt schon zu gravierenden Engpässen führt. Bemerkenswert war auch die Feststellung, die zukünftig 2.500 Tiefgaragenplätze wären vergleichsweise wenig.

Dafür, dass ich darauf hingewiesen habe, dass es überhaupt ein Verkehrsproblem gibt, hat mir Stadtrat Hans Panhoff mal wieder Panikmache unterstellt und die Planungen der Anschutzgruppe verteidigt. Alternativ stünden die Arena und der ganze Kram in Marzahn ohne S-Bahnanschluss – was fänden wir besser, so Panhoff? Das nenne ich Panikmache.

Zum vollständigen Artikel:
Anschutzchef Michael Kötter und sein Gutachter stellten den regelmäßigen Verkehrskollaps der Arena-Veranstaltungen auf eine Stufe mit z.B. Schienenersatzverkehr. Manchmal krache es eben in der Stadt, normal. Der Gutachter ging sogar soweit darzustellen, dass die Ampeln in der Skalitzer Straße ja ohnehin nur z.B. 30 Auto in einer Grünphase durchließen – also wo ist das Problem? Die Autos kommen in der Masse ja gar nicht bis nach Friedrichshain. Rückstau in Kreuzberg und überall? Kein Problem für Anschutz und den Bezirk.

Ein neutrales Gutachten hätte letztes Jahr Sinn gemacht, als die Frage nach der Genehmigung der neuen Eventflächen anstand. Das hatten wir gefordert. Die Betrachtung hätte auch die enorme Bautätigkeit rund um das Anschutzareal heranziehen müssen. Vielleicht wäre man zum Schluss gekommen, dass man lieber mehr dringend benötigten Wohn- und Arbeitsraum schafft als ein neues Entertainmentcenter? So wie es ist gibt sich der Bezirk mit einem lückenhaften Anschutz-Hausgutachten zufrieden und beschimpft nach alter Gewohnheit lieber die Kritiker und Mahner. Alles ist in bester Ordnung.

Anfrage der Piraten 2015
Mitte 2015 stellten wir eine Anfrage bezüglich der zusätzlichen Verkehre durch den geplanten und genehmigten Neubau rund um die „Mercedes-Benz-Arena“. Das versprochene Verkehrsgutachen haben wir aber bislang nicht gesehen.

Zu den 17.000 Plätzen in der (O2) Arena sollen hinzu kommen:

• „Music Box“ mit Platz für rund 4000 Besucher.
• Premierenkino mit 14 Sälen und 2500 Plätzen.
• „Lifestyle Bowling“ mit 28 Bahnen, DJ und Live-Music.
• Zehn bis 15 Cafés, Restaurants und Bars
• zwei weitere Hotels – eines mit 125 Zimmern und ein weiteres mit 254 Zimmern

Zusammen mit dem riesigen Shopping-Center an der Warschauer Brücke und diversen weiteren Hochhäusern sollen insgesamt 20.000 Menschen arbeiten, 4000 Menschen sollen dort wohnen. Viele Hundert Wohnungen werden zudem auf dem Postareal und dem ehem. YAAM-Strand genehmigt. 20.000 Beschäftigte, 5000-6000 neue Bewohner? Gibt es da ein Problem?

    Stadtrat Panhoff rettet die Anschutz-Group vor den Begehrlichkeiten des Bezirks – Skandal!

Am 08.07.2015 kam Michael Kötter (Executive Director Real Estate, AEG) also endlich in den Planungsausschuss, um das „Entertainment-Center“ vorzustellen. Pikant war die Diskussion über die von ihm vorgebrachten Wünsche nach Abweichungen vom festgesetzten Bebauungsplan. Für uns Verordnete war dies natürlich eine Gelegenheit, die 2003 nicht ausgehandelten Sozialausgleiche nachzufordern (Kita- und Grundschulversorgung). Aber noch bevor Michael Kötter antworten musste ergriff Hans Panhoff das Wort und wies auf die Festlegungen des Bebauungsplans hin. Er fiel damit der BVV in den Rücken und verschonte die Anschutz-Group davor, eine Antwort geben zu müssen.

Die Anschutz-Group hat 2003 Baurecht für rund 500.000 m² Bruttogeschossfläche bekommen und dafür gerade mal den Streifen Spreeufer finanziert, der künftig die notwendige Grünfläche für die Monsterplanung abdecken sollte. Keine besondere Aufwendung also und damit erschöpft sich der Sozialbeitrag. Den Gewinn, den man aus dem Baurecht in dieser Lage grob ableiten kann, beträgt rund 400 Millionen Euro.
Es ist ein unmögliches Verhalten von Stadtrat Panhoff, die überfällige Diskussion über Sozialausgleiche im Ausschuss abzuwürgen, indem er sich „schützend“ vor die Entwickler stellt. Mit einem solchen Stadtrat kann man sich die Erörterungen im Ausschuss fast sparen…

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    Meldung vom 18.06.2015: Anschutz-Verantwortlicher schwänzt zum zweiten Mal seine Vorstellung der Mega-Anschutz-Planung

Es ist eine deutliche Missachtung des Gremiums, wenn man eine Einladung zum zweiten Mal kurzfristig absagt. Michael Kötter (Executive Director Real Estate, AEG) hätte im Ausschuss am 3.6. und 17.6.2915 die Aufgabe gehabt, das Anschutz-Entertainmentcenter im Stadtplanungsausschuss vorzustellen. Doch wozu? Der Bauantrag ist gestellt und vom „Durchwinker-Stadtrat“ Hans Panhoff ist kein Widerstand zu erwarten. Das ist entscheidend, da nerven die Bezirksverordneten offenbar nur.

Um was geht es? Zu den 17.000 Plätzen in der (O2) Arena sollen hinzu kommen:
• „Music Box“ mit Platz für rund 4000 Besucher.
• Premierenkino mit 14 Sälen und 2500 Plätzen.
• „Lifestyle Bowling“ mit 28 Bahnen, DJ und Live-Music.
• Zehn bis 15 Cafés, Restaurants und Bars
• zwei weitere Hotels – eines mit 125 Zimmern und ein weiteres mit 254 Zimmern

Im Baukollegium der Senatsverwaltung wurde das vorgestellte „Halligallicenter“ bis an den ehemaligen Todesstreifen noch zerrissen, aus Pietätsgründen. „Warum haben Sie das nicht – wie ursprünglich geplant – im Nordwesten gebaut, da wo jetzt ihr Parkhaus steht?“ Für Stadtrat Hans Panhoff galt diese Kritik nicht – alles wäre gut durchdacht und abgestimmt.


(Abbildungen: Berliner Zeitung)

Zusammen mit dem riesigen Shopping-Center an der Warschauer Brücke und diversen weiteren Hochhäusern sollen insgesamt 20.000 Menschen arbeiten, 4000 Menschen sollen dort wohnen. Viele Hundert Wohnungen werden zudem auf dem Postareal und dem ehem. YAAM-Strand genehmigt. 20.000 Beschäftigte, 5000-6000 neue Bewohner? Gibt es da ein Problem?

Für das Bezirksamt offenbar nicht. Es werden zwar eine komplette Grundschule und drei bis vier Kitas neu benötigt, der Verkehr bricht bei Arena-Veranstaltungen jetzt schon regelmäßig zusammen – aber eine Diskussion findet nicht statt. Das bisschen Mauerrestgrün an der East-Side-Gallery reicht als „Erholungsfläche“ für Tausende NeubewohnerInnen nicht aus. Extreme Baudichteüberschreitungen für Wohnnutzungen? Kein Problem. Offenbar ruht man sich auf dem vom Vorgängersenat erteilten alten Baurecht aus – man hat ja einen Schuldigen für Verkehrschaos und Infrastrukturnotstand.

Wir haben zu Beginn der Legislaturperiode vorgeschlagen, derart problematische Bauanträge mit völlig unkooperativen Bauherrn nicht zu bearbeiten und sich ohne Prüfung selbst genehmigen zu lassen (nach § 70 BauO Bln). Das nennt man dann eine „Baugenehmigungsfiktion“, die zwar rechtskräftig ist, aber wenig nützt. Zu groß ist Risiko, dass etwas unbeachtet bliebt und später wieder beseitigt werden muss. Das wäre hier offenbar ein probates Mittel. Schließlich hat Anschutz sofort Bauantrag gestellt, bevor eine öffentliche Diskussion über die Monsterplanungen entstehen konnte. Aber mit diesem staatstragenden Bezirksamt ist an eine solch mutige Protesthandlung nicht zu denken, man winkt lieber durch…

Weiter geht es mit den beiden Hochäusern „Max und Moritz“, ein Artikel dazu HIER.