Armes Spreeufer – hier: Viktoriaspeicher-Gelände

Aktuell: Der Stadtplanungsausschuss hat am 28.5.2014 einstimmig eine klare Absage an das Schimmang-Konzept beschlossen. Der Antrag HIER.
Das ist ein großer Fortschritt und führt hoffentlich dazu, dass die Behala die Kaufoption des Investors nicht mehr verlängert. Nach jahrlangem Stillstand werden endlich wieder konstruktive Diskussionen über die Zukunft des Geländes möglich!

Das Schimmang-Konzept

An Absurdität kaum zu übertreffen war die poltrige Präsentation des Stuttgarter Grundstückskäufers Hans-Georg W. Schimmang am 22.1.2014 im Planungsausschuss. Über zwei Jahre wartet der Planungsausschuss nun auf die Vorstellungen oder gar die Identität des Käufers für dieses große und sehr wichtige Kreuzberger Ufergrundstück. Warum die landeseigene Behala als Grundstückseigentümer ausgerechnet diesem Interessenten den Zuschlag gegeben hat, ist fraglich.
Wie zu erfahren war, hat der Käufer weder Erfahrung mit Entwicklungen dieser Größenordnung noch ein Unternehmen, dass der Aufgabe gewachsen zu sein erscheint. In einer Broschüre, die in der stadtpolitischen Szene kursiert, ruft eine „Schimmang Spreepark GmbH & Co. KG“ exorbitante Preise auf, z.B. Baukosten von fast 4.000 Euro pro m² Wohnfläche. Damit kann jegliche Diskussionen über eine soziale Verträglichkeit abgewürgt werden. Pro m² Wohnfläche sollen im Mittel EUR 6.000.- (mit steigender Tendenz) zu erzielen sein, so heißt es in der Broschüre „SpreePark Berlin“. Herr Schimmang bestritt im Ausschuss, dass es diese „Verkaufsbroschüre“ gibt.

Stichwort Ortskenntnis: Das Projekt soll „SpreePark“ heißen, obwohl der Name ja mehrfach belegt ist. Im Viktoriaspeicher soll eine Markthalle einziehen, obwohl es unweit bereits das Projekt „Markthalle 9“ gibt. Er möchte auf dem Grundstück und an den Eingängen Schilder aufstellen „Privatgrundstück – Durchgang verboten“ in der Annahme, dass das in Kreuzberg angenommen wird.

Städtebauliche Vorstellungen: Natürlich rücken seine Luxuswohnungen so nah wie möglich ans Wasser heran, weil sie dann Höchstpreise erzielen. Um diesem Streben zu begegnen, wurde damals ja der Bürgerentscheid „Spreeufer für alle!“ durchgeführt. Auch die geplanten sechs hochhausartigen Aufstockungen entsprechen dem Gewinnstreben, das der Bürgerentscheid zügeln wollte. Ansonsten wird im Grundstücksinneren viel privater Raum erzeugt, der zum Wasser hin fehlt. Da gab es schon bessere Vorschläge.

Mein Wortbeitrag zu seiner Präsentation wurde von Herrn Schimmang solange unterbrochen, bis es absurd wurde. Leider hat der Sitzungsleiter nicht mich vor den Unterbrechungen geschützt, sondern mitgeholfen, dass ich mein Rederecht nicht vollständig ausüben konnte. Ein Vorfall, der so ähnlich leider bereits häufiger stattgefunden hat.

Fazit: Hier bahnt sich mal wieder eine relevante Fehlentwicklung an. Es zeigt sich, dass das Land Berlin es nicht seinen Betrieben überlassen sollte, die Grundstücksvergabe zu entscheiden. Die Behala hat ihre Kompetenzen in der Hafen- und Lagerlogistik und nicht in Architektur und Stadtentwicklung. Sie hat hier einem „Investor“ einen Vorvertrag erteilt, der von Seiten der Behala offenbar nicht mehr kündbar ist. Allerdings ist der Herr Schimmang auf Baurecht bis Ende 2014 angewiesen. Dann könnte sich der ganze Spuk in Luft auflösen, weil die Vertragslaufzeit ausläuft – so klang es im Ausschuss. Es hängt jetzt also vom Bezirk ab, ob er mitspielt oder nicht.
Abbildungen: aus „STÄDTEBAULICHES KONZEPT SCHIMMANG SPREEPARK“ der Architekten Gewers/Pudewill